Xingyiquan
Xingyiquan — gesprochen etwa „Sching Jie Tschüan", auch als Hsing Yi Chuan geschrieben — gehört zu den drei großen inneren Kampfkünsten Chinas, neben Taijiquan und Baguazhang.
Der Name setzt sich zusammen aus Xing für Form oder Gestalt, Yi für Geist, Wille und Absicht, und Quan für Faust. Sinngemäß heißt das: Form- und Geistboxen. Dahinter steht der Gedanke, dass jede Bewegung zuerst im Geist entsteht — und dass man dieser Absicht beim Üben aufmerksam nachspüren muss.
Woher es kommt
Die bekannteste Legende schreibt Xingyiquan dem General Yue Fei zu, einem chinesischen Volkshelden des 12. Jahrhunderts, der es aus dem Speerkampf entwickelt haben soll.
Historisch belegt ist das nicht. Als Begründer des Xingyiquan in seiner heutigen Form gilt Li Luoneng, der im 19. Jahrhundert in der Provinz Hebei lebte und mehrere Stile studierte, bevor er sein eigenes System formte.
Dass eine Kunst einem berühmten Vorfahren zugeschrieben wird, ist in China nicht ungewöhnlich — Bescheidenheit gilt dort mehr als Selbstdarstellung.
Die fünf Elemente
Der Kern des Xingyiquan sind fünf Grundtechniken, die den fünf Wandlungsphasen der chinesischen Philosophie entsprechen. Jede steht für eine eigene Bewegungsqualität.
Metall — Pi Quan, die spaltende Faust: von oben nach unten, trennend.
Wasser — Zuan Quan, die bohrende Faust: nach vorn dringend, durchbrechend.
Holz — Beng Quan, die berstende Faust: geradlinig, explosiv nach vorn.
Feuer — Pao Quan, die Kanonenfaust: aufsteigend, abwehrend und schlagend zugleich.
Erde — Heng Quan, die querende Faust: seitlich abdrängend, umlenkend.
Aus diesen fünf Grundformen entsteht alles Weitere.
Kraft aus der Struktur, nicht aus dem Muskel
Xingyiquan gilt als kraftvoll und direkt — und das führt leicht zu einem Missverständnis. Die Kraft kommt nicht aus dem Muskel, sondern aus der Körperstruktur: aus Ausrichtung, Schrittarbeit und dem richtigen Moment.
Es ist dasselbe Prinzip, das wir im Dao Wing Chun als Fajing beschreiben. Deshalb funktioniert Xingyiquan unabhängig von Statur und Kraft, obwohl es auf den ersten Blick nach dem Gegenteil aussieht.
Statt langer Kombinationen zählt der eine Moment, in dem alles zusammenkommt: Ausrichtung, Absicht und Bewegung.
Was das Training bringt
Klarheit in der Bewegung — jede Technik hat einen Anfang, einen Weg und ein Ziel
Körperstruktur — Stand, Ausrichtung und Schrittarbeit werden spürbar besser
Aufmerksamkeit — du lernst, Absicht und Bewegung zusammenzubringen
Ein Fundament — die Prinzipien tragen in jede andere Kampfkunst hinein
Ein Stück Dao Wing Chun
Xingyiquan ist eine der Kampfkünste, aus denen unser eigenes System gewachsen ist.
Jörg aus der Wieschen trainiert seit 1978 Kampfkünste. Angefangen hat er mit Taekwondo, später kamen Escrima, verschiedene Wing-Chun-Linien, Liuhe Bafa, Xingyiquan, Boxen und Bagua dazu. Aus dieser Mischung sind über die Jahre zwei eigene Systeme entstanden: Dao Wing Chun und Krav Maga Modular.
Xingyiquan hat dabei eine besondere Rolle. Der Gedanke, dass Kraft aus der Struktur entsteht und nicht aus Muskeln, und dass eine Bewegung erst im Geist beginnt, findet sich im Dao Wing Chun direkt wieder — im Fajing und in der Arbeit an der eigenen Haltung.
Wer Xingyiquan übt, versteht deshalb auch besser, warum im Dao Wing Chun bestimmte Dinge so gemacht werden und nicht anders.
Mehr über Jörg aus der Wieschen →Mehr über Dao Wing Chun →
Wann trainiert wird
Auszüge aus dem Xingyiquan fließen regelmäßig ins laufende Training ein — du begegnest den fünf Elementen also, ohne dich gesondert anmelden zu müssen.
Wer tiefer einsteigen will, kann an unseren vertiefenden Seminaren teilnehmen. Dort nehmen wir uns die Zeit, die im regulären Training nicht möglich ist.
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